1923 kam Ruth Gattiker in Zürich zur Welt. Ihre Mutter war Hausfrau, der Vater Ingenieur bei der Maschinenfabrik Oerlikon – eine solide Mittelstandsfamilie. Drei Mal musste sie die Matura machen, weil der ­Vater ­dagegen war, dass seine Tochter studieren wollte – und erst noch Medizin. Niemals würde er sich von einer Frau behandeln lassen, meinte er. Dabei ­unterschätzte er den Durchhaltewillen der Tochter. Nach der Handels- und kantonalen Matura legte sie die eidgenössische 1946 heimlich ab. Danach sah der Vater ein, dass Sekretärin und Hausfrau nicht zu der widerspenstigen jungen Frau passte, die schon als Teenager beschlossen hatte, dass sie keine Kinder und einen Beruf wollte.