Noch nie hatte ich privat so viel mit Ärztinnen, Pflegefachpersonal und anderen Berufsgruppen des Gesundheitswesens zu tun wie im Jahr 2021. Eigentlich war mir bis dahin gar nicht richtig klar, was es bedeutet, eine Patientin zu sein. Im vergangenen August erfuhr ich es jedoch, als mir in der 16. Schwangerschaftswoche die Hiobsbotschaft überbracht wurde, dass das Kind in mir nicht mehr lebte. Wenn ich nun, fünf Monate später, sagen kann, mich von diesem traurigen und einschneidenden Ereignis einigermassen erholt zu haben, so habe ich es namentlich all den medizinischen Fachfrauen zu verdanken, die sich in diesen schwierigen Wochen um mich gekümmert und mich begleitet ­haben. Dabei verwende ich bewusst die weibliche Form, da ich nur einmal von einem Mann betreut wurde. Beispielhaft für die Interprofessionalität, die mir zuteilwurde, steht eine Botschaft aus dem Begleitmaterial, das ich erhalten habe: «Wir als Ärztinnen und Ärzte der Frauenklinik sind für Sie da. Wir begleiten und ­unterstützen Sie beim Abschiednehmen von Ihrem Kind, gemeinsam mit Hebammen und Pflegefachfrauen.» In der Gynäkologie und Geburtshilfe kommt der interprofessionellen Zusammen­arbeit eine besondere Bedeutung zu. Das ist mir durch dieses ­Unglück bewusst geworden, umso mehr, als ich mich derzeit im Rahmen unserer Artikelreihe mit dem Thema Interprofessionalität beschäftige.