Ich
Im Patientenzimmer zieht es. Die Sitzwache vor mir hat wohl ein Fenster gekippt, um etwas frische Luft in den Raum zu lassen. Es riecht nach Desinfektionsmitteln, Gummihandschuhen und irgendwie nach alten Menschen. Vielleicht nach Mottenkugeln. Leise trete ich näher ans Patientenbett heran. Sie schläft. Die Decke bis unters Kinn hochgezogen, den Rücken seitlich an ein Kissen gestützt, das Bein über ein weiteres Kissen gelegt. Wie sie so daliegt, fast in ihren Decken verschwindet, sieht sie viel zu zerbrechlich aus. Ich glaube, das kommt auch von der Infusion, die sie am Handgelenk trägt, das rechts unter der Decke hervorlugt. Einen Stuhl aufstöbern, ans Bett ziehen, und Frau Meiers (Name geändert) unregelmässigem Atem lauschen. Ihren Namen habe ich von einem kleinen weissen Schild über dem Bett abgelesen. Ich will an meinem ersten Tag nichts falsch machen, also warte ich. Ich stehe wieder auf, schliesse das Fenster, setze mich wieder hin. Merkwürdig, ihr so beim Schlafen zuzusehen. Ich komme mir vor wie das Monster in einem Gruselfilm, wie ich mich in ihr Zimmer geschlichen habe, um sie im Auge zu behalten. Ich fühle mich ihr viel zu nahe, und beginne unbehaglich auf meinem Stuhl herumzurutschen. Schliesslich ziehe ich ihn ein Stück zurück, und setze mich wieder hin, diesmal auf meine Hände, um sie etwas zu wärmen. Ich warte, bis Frau Meier aufwacht.