Arbeiten Ärztinnen und Ärzte in der Weiterbildung immer noch zu viel?

In der SÄZ vom 21.12.2022 formuliert der Präsident des vsao seine festtägliche Hoffnung, dass Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte an Schweizer Spitälern noch weniger arbeiten müssten, um ihre «eigenen Bedürfnisse» besser in den Vordergrund ihres Lebens zu rücken. Dass die Ärzteschaft weniger, viel weniger arbeiten solle, sei angeblich auch ein Gewinn für die Kranken. Ich habe zeit meines Lebens die berüchtigten «60 bis 80 Stunden pro Woche» gearbeitet und stelle fest, dass ich ob diesem angeblich verantwortungslosen Arbeitseinsatz dennoch keinen Schaden erlitten sondern viel Gewinn gebucht habe, nicht nur für mich persönlich. Es reichte mir für den Erwerb einer reichen klinischen Erfahrung, für Facharzttitel, für eine akademische Karriere, für die Leitung einer Klinik an einem grossen Schweizer Spital, für ein immer noch intaktes Familienleben, für Musik mit Pflege des pianistischen Kammermusikrepertoires, und für viele private Reisen. Freude herrschte trotz mehr als 50 Wochenstunden – wohl auch bei den Patientinnen und Patienten.