Als mein Grossvater als kleiner Junge ein Problem mit der Lunge hatte, brachten ihn seine Eltern in die Berge in ein Sanatorium. Jahrzehnte später erinnerte er sich vor allem noch daran, dass ihn seine Eltern ohne Verabschiedung dort gelassen hatten – eine vom Sanatorium empfohlene Strategie. Wie meinem Grossvater erging es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vielen Menschen. Seit den 1870er Jahren strömten Lungenkranke aus dem In- und Ausland in die Schweizer Berge. An Orte wie Davos im Bündnerland, Heiligenschwendi im Berner Oberland oder Crans-Montana im Wallis, wo sich insbesondere Tuberkulosekranke bei einer Frischluftliegekur erholen konnten [1]. Dass die Lungensanatorien genau dann und genau dort entstanden, ist kein Zufall. Erlebten doch die Berge Ende des 19. Jahrhunderts eine Deutungsverschiebung: Von gefährlichen und unnahbaren Orten hin zu Stätten der Naturnähe und Ursprünglichkeit – und somit der Gesundheit [2].