«Mehrt euch und regt euch auf Erden, dass euer darauf viel werden», übersetzt die Lutherbibel. Noah hätte sich gewundert: Um 1800 betrug die Bevölkerungszahl global ungefähr eine Milliarde, in rund 120 Jahren hat sich diese Zahl verdoppelt, bis zur dritten Milliarde dauerte es 33 Jahre, von fünf auf sechs Milliarden nur noch zwölf Jahre. Als die UNO-Statistiker 1999 die Geburt des sechsmilliardsten Menschen für den 12. Oktober errechneten, titelte der Spiegel dieses Ereignis als «Die Geburt der Hoffnungslosen.» Millenio, so der fikti­ve Name des neuen Erdlings, würde mit 95% Gewissheit in einem Slum der dritten Welt geboren, ein bisschen Geld verdienen, eine Frau finden und möglichst viele Kinder gebären, die ihn versorgten. Thomas Malthus (1766–1844) sah zu seiner Zeit der Frühindustrialisierung keinen Ausweg aus der Bevölkerungsfalle. Doch die wichtigste Innovation, zur Steigerung der landwirtschaftlichen Erträge, war 1912 die Stickstoffsynthese nach Haber und Bosch. Kunstdünger verhindert bis heute die vorausgesagte Hungerkatastrophe. Der Preis sind verseuchte Böden, vergiftete Gewässer und verschmutzte Luft. Mit Wachstum wird seit lan­ge­m Politik gemacht. Frankreich förderte gegen das übermächtige Deutschland die Familien, manche träume­n vom demographischen Dschihad, «Bumsen für Dänemark» sollte den Sozialstaat sichern, das Schrumpfen Europas schürt geopolitische Ängste.