Anzahl und Kosten diagnostischer Abklärungen haben in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich zugenommen mit einer Verdopplungszeit von ca. 10 Jahren [1, 2]. Zwar machen die Kosten für Laboruntersuchungen meistens weniger als 5% der Spitalbudgets aus, jedoch beeinflussen Laborresultate 60–70% der Entscheidungen zu weiteren Abklärungen und Therapien und haben so einen wichtigen Folgeimpact [2]. Etwa 20% der Laboruntersuchungen sind unangebracht und generieren somit nur unnötige Kosten und Schaden [3]. Zu häufige und serielle Blutentnahmen sind nicht nur schmerzhaft, sondern induzieren auch iatrogene, teilweise transfusionsbedürftige Anämien [4–7]. Falsch positive Laborbefunde können zu Angst und Stress und Down­stream zu unnötigen Folgeuntersuchungen (Diagnosekaskaden) und Therapien mit Komplika­tionsrisiko führen. Unnötige Laboruntersuchungen sind deshalb im Rahmen der verschiedenen Kampa­gnen zur Reduktion von tiefwertigen medizinischen Massnahmen (z.B. Choosing Wisely, Smarter Medicine) ein zentrales Thema [8]. Ein verantwortungsvolles Verordnen von Laboruntersuchungen basiert darauf, Untersuchungen mit geringer Aussagekraft und tiefem klinischem Wert zu kennen und zu vermeiden.