Im Laufe der Berufsjahre, oft auch bereits während der Ausbildung, entwickeln zahlreiche Musiker/innen charakteristische somatische und psychische Beschwerden, die zumindest mitbedingt sind durch das professionelle Instrumentalspiel oder Singen. An der Spitze der Beschwerden bei Musiker(inne)n stehen Schmerz­syndrome. Es macht keine Mühe, sich etwa eine Violinistin vorzustellen, die stundenlang den linken Unterarm verdrehen und mit dem rechten Arm den Bogen bewegen muss, um ihrem Beruf als Musiklehrerin oder Orchesterspielerin nachgehen zu können. Aber auch bei Bläsern ist die gesundheitliche ­Belastung enorm durch mühselige Haltungen oder die intensive Beanspruchung von Lippen und Zähnen. Die schmerzhaften Probleme des Bewegungsapparates sind überwiegend Folgen einer dauerhaften, exzessiven Arbeit mit einem unergonomischen «Handwerkszeug», da bauliche und spieltechnische Eigenschaften der Instrumente im allgemeinen nicht unseren natürlichen physischen Anlagen entsprechen. Sie erfordern oft einseitige Körperhaltungen in physiologischen Grenz­bereichen. Ausserdem steht die Entwicklung von Beschwerden in Bezug zur jewei­ligen körperlichen und psychischen Disposition der Musiker/innen, zum konkreten beruflichen und pri­vaten Umfeld sowie zum ­Repertoire, den Übe-Gewohnheiten und der persönlichen Instrumentaltechnik. Auch aus­sermusikalisch zugezogene Verletzungen und Erkrankungen können für eine/n professionelle Musiker/in leicht zum gravierenden Hindernis bei der Berufs­ausübung werden. Durch die immer grösser werdende Lautstärke der musikalischen Darbietungen sind schliesslich alle Krankheitsbilder rund um das Ohr von grosser Bedeutung.