Menschen, tot oder lebendig, als Ersatzteillager und Apotheke haben eine lange Tradition. Wer in Frieden ruht, lässt eine irdische Hülle zurück, die mannigfaltig verwertet wird. Schon der ehrwürdige Paracelsus empfahl die Mumia Vera Aegyptica als Allerheilmittel. Das Geschäft mit den Einbalsamierten blühte bis in die 1920er Jahre. Pulver zum Gurgeln oder als Nahrungsmittelzusatz, ein Exportschlager mit hohen Gewinnmargen. Die Journalistin und Historikerin Janine Kopp promovierte 2012 in Luzern mit der Dissertation zum Thema «Hingerichtet und als Medikament verkauft». Die unterschiedlichsten Körperteile fanden im 16. und 17. Jahrhundert Verwendung. Ein Geschäft, das legal nur den Apothekern erlaubt war, etwa die Herstellung von Salben aus dem Fett oder Pülverchen aus den Hirnschalen der Gehenkten. Gemäss anderen Quellen sollen in Italien Apotheker getrocknetes und abgehängtes Muskelfleisch im Kamin geräuchert haben.