Die im Jahr 2015 publizierte SISA-Studie zeichnet ein eher düsteres Bild der Digitalisierung innerhalb der ambulant tätigen Ärzteschaft [1]. Dies obwohl der Grad der Digitalisierung in Schweizer Arztpraxen gemäss der jährlichen OECD-Befragung stetig zunimmt. Der Anteil der Ärztinnen und Ärzte, die elektronische Krankengeschichten führen, ist im Jahr 2018 auf 50% angestiegen [2]. Die SISA-Studie zeigt aber auch, dass die Schweizer Ärzte Teil eines globalen Experiments sind: Das Schweizer Gesundheitssystem, in seiner Organisation und unter dem Aspekt der marktwirtschaftlichen Prinzipien vergleichbar mit dem amerikanischen oder kanadischen System, kennt im Gegensatz zu diesen keine entsprechenden Anreize, um die Akzeptanz und Nutzung von IT-Lösungen in der Gesundheitsversorgung zu verbessern oder eHealth zu fördern. Die Schweizer Ärzteschaft übernimmt also gewissermassen die Rolle einer Kontrollgruppe, welche die Digitalisierung vorantreibt, und zwar ohne ein staatliches Anreizsystem. Die Ergebnisse einer FMH-Studie über die Digitalisierung der medizinischen Versorgung aus Ärztesicht (publiziert in dieser Ausgabe, Seiten –1689) attestiert der Ärzteschaft eine positive Grundeinschätzung und Aufgeschlossenheit gegenüber digitalen Gesundheitsangeboten. Die Studie der FMH hat unmissverständlich vergegenwärtigt, dass die Bedenken der Ärzteschaft in Bezug auf die Digitalisierung ernst genommen werden müssen und ihr Einbezug für den Erfolg der Umsetzung von eHealth in der Schweiz entscheidend ist. Gleichzeitig müssen im Bereich eHealth, und damit ist selbstredend die Praxisinformatik eingeschlossen, die Systeminteroperabilität als notwendige Voraussetzung einer durchgängigen Prozessdigitalisierung gefördert sowie Anreize zur Digitalisierung gesetzt werden.