Auf einer schwindelerregenden Wanderung auf die Belle Etoile in den Savoyer Alpen im Sommer vor meinem 49. Geburtstag kam in mir die Frage auf: «Warum nur hat sich der Mensch aufgerichtet? Es ist so viel angenehmer auf allen vieren zu gehen!» «Mit dir stimmt etwas nicht!», kommentierte sogleich eine Stimme in meinem Inneren. Ich war tatsächlich kurz zuvor zweimal lang ausgestreckt in der Stadt auf dem Boden gelandet, ohne dass sich das geringste Hindernis auf meinem Weg befunden hätte. Dies gab mir zu denken: 14 Jahre zuvor hatte man bei mir eine Retrobulbärneuritis diagnostiziert. Ich hatte damals heftige Schmerzen im linken Auge, und alles, was ich ansah, hatte einen Braunstich. Für unser Staatsexamen hatten wir gelernt, dass bei einer Optikusnevritis weder der Arzt noch der Patient etwas sehen könne, ausserdem hatte niemand Schmerzen erwähnt … So dachte ich nicht sofort an die richtige Diagnose. Unsere damals dreijährige Tochter, die keine Windeln mehr brauchte, nässte plötzlich wieder ihr Bett. Es war klar, dass ihre Mama sich grosse Sorgen machte. Man führte damals noch keine Magnetresonanz-Untersuchungen durch, und man empfahl mir eine Untersuchung mit evozierten Potentialen, das die vermutete Diagnose einer Entzündung des Sehnervs bestätigte. Es gab keine Möglichkeit, etwas zu unternehmen. Man konnte nur hoffen, dass mir die Krankheit vor ihrem wirklichen Ausbruch noch etwas Zeit lasse …