Die Kostensteigerungen im Gesundheitswesen sind wieder Thema auf allen Kanälen, und natürlich stehen die Gesundheitspolitikerinnen und Experten mit Rezepten bereit, die etwa so lauten: weniger Leistungen, weniger Spitäler, weniger freie Arztwahl, höhere Franchisen, mehr Wettbewerb und – vor allem – mehr Eigenverantwortung. Mehr Eigenverantwortung heisst, mehr selber zahlen, denn der Mensch schaut bekanntlich immer zuerst aufs Portemonnaie, bevor er sich entschliesst, krank zu werden. Als Ökonomin weiss ich zudem, dass der Mensch ein moralischer Hasardeur ist. Will heissen, wenn er Versicherungsprämien zahlt, verliert er alle Hemmungen und will alles haben. Sofort. Weil die Prämien konstant stiegen, fühlten sich die Versicherten umso mehr berechtigt, bei jeder Bagatelle zum Arzt zu rennen, liess sich zum Beispiel Daniel ­Habegger von santésuisse in der NZZ vernehmen [1]. Die Rennerei wiederum führt zu Mehrkosten und zu höheren Prämien und ergo rennen noch mehr Leute zum Arzt. Ein Teufelskreis, aus dem wir nur dank mehr Eigenverantwortung wieder herauskommen.