«Schon wieder einer» denkt der Leser. Bis zur Jahrtausendwende kam eine Anstellung als Chefarzt meist einer Lebensstelle gleich. Dann wurden die Spitäler zunehmend verselbstständigt, und die Spital- und Verwaltungsräte übernahmen das Ruder. Aufgrund der neuen Rechtsformen und der dadurch angepassten Anstellungsverhältnisse konnten Kader viel einfacher entlassen werden. Die Kompetenz, Mitglieder der Geschäftsleitung einzustellen und zu entlassen, oblag neu den Verwaltungsräten. Die Führungsgremien erkannten ihre Macht – und übten sie zunehmend auch aus: unliebsame Chefärzte mussten schneller den Hut nehmen. In einzelnen Fällen waren die Entlassungen vielleicht indiziert, aber wer die Medienmitteilungen zu diesem Thema regelmässig verfolgt, bekommt den Eindruck, dass das Pendel nun in die falsche Richtung ausgeschlagen hat. Als Reaktion ist eine Art Backlash zu beobachten, indem zunehmend Chefärzte aus eigenem Antrieb frühzeitig die Stellen verlassen und attraktivere Angebote annehmen. Fördert diese Entwicklung eine gute Patientenversorgung? Nein, denn generell gilt: Unternehmen mit einer konstanten Führung sind langfristig erfolgreicher, weil sie eine wirksame und gute Unternehmenskultur aufbauen können. Die aktuelle Entwicklung in den Spitälern schwächt also die Qualität, deshalb sollten Patienten Anbieter mit häufigen Wechseln in der Führung eher meiden.