Der rasante Fortschritt in Technik und Therapie bedingt unabhängige Strukturen, die dem Arzt bei der Bewertung von Richtlinien und den Entscheidungsträgern im Gesundheitssystem bei der Beurteilung des wirtschaftlichen Mehrwerts helfen, die Richtigkeit ihres Handelns zu beurteilen. Seit Ende des letzten Jahrhunderts entstanden entsprechende Institutionen in verschiedenen Ländern. Die am besten bekannte ist das National Institute for Health and Care Excellence (NICE) in Grossbritannien. Vergleichbares gibt es in Frankreich (Haute Autorité de Santé, HAS), Deutschland (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, IQWiG) und andernorts in Europa. Alle diese Einrichtungen haben sich im European Network for Health Technology Assessment (EUnetHTA) zusammengeschlossen. Sie zeichnen sich aus durch ihre wissenschaftliche Kompetenz, ihre Transparenz und ihre Unabhängigkeit (sowohl von der Industrie, den Krankenkassen wie auch den medizinischen Leistungserbringern). Ihre Handlung besteht gemäss internationalen Standards in Begutachtung (Assessment) oder Health Technology Assessment (HTA), Bewertung (Appraisal) und Entscheidung. Bei der Begutachtung werden die verfügbaren wissenschaftlichen Nachweise einer systematischen Prüfung unterzogen, vor allem mit Blick auf Sicherheit und Zweckmässigkeit, aber auch in Bezug auf einen zusätzlichen Nutzen im Vergleich zu vorhandenen Alternativen. Bei der Bewertung werden juristische, ethische und soziale Aspekte miteinbezogen und – nach entsprechender Rücksprache mit den beteiligten Parteien (Ärzten, Industrie, Krankenkassen, Patienten …) – Empfehlungen formuliert. Begutachtung und Bewertung müssen unabhängig vom Entscheidungsträger erfolgen.