Unverständliche Aktion gegen Ignazio Cassis

Die unselige Plakataktion der Zürcher Ärzte in Bern (s. NZZ vom 20. Juli 2017 «Die Zürcher Ärzte schiessen scharf gegen Cassis») wird ihr Ziel in mehrfacher Sicht verfehlen, denn es ist ein Schuss auf den Mann statt auf die Sache. Wer soll denn diese Aktion verstehen? Was soll sie bringen? Für die Bevölkerung ist schwer verständlich, wie sich die grossen Einkommensunterschiede bei den Ärzten erklären, warum gewisse Eingriffe immer noch so teuer sind, auch wenn sie schneller und einfacher durchführbar geworden sind und warum die Prämien weiter steigen. Sehr wenig Verständnis hat der Bürger wohl auch für die unrühmliche Zerstrittenheit der Ärzteschaft, was TARMED betrifft. Und nun «schiesst» eine kantonale Gesellschaft auch gleich noch gegen einen Kollegen, der für den Bundesrat kandidiert. Glauben die Zürcher Ärztinnen und Ärzte allen Ernstes, dass ein anderer Bundesratskandidat ihre Anliegen besser vertreten wird? Dass eine andere Kandidatin ohne so viel Erfahrung im Gesundheitswesen auf wundersame Weise das Problem der steigenden Kosten in den Griff bekommt und die vielen (divergierenden) Anliegen der zerstrittenen Ärzte elegant löst? Was können wir denn mehr wollen, als einen Arzt im Bundesrat, der die Arbeit der Kantone kennt, der im Bundesparlament Erfahrung hat, der ausgewogen in der Mitte politisiert, aber auch nach Rechts und Links zuhören kann, der alle Landessprachen flies­send spricht, der die (berechtigten) Sorgen der Krankenkassen kennt, den wir selbst mit gros­ser Begeisterung in den FMH-Vorstand gewählt haben, der kritisch denkt und seine Meinung verteidigt, auch wenn er gegen die Strömung argumentieren muss (man nennt das Standfestigkeit).