Betrachten wir zunächst das Geschlecht im Hinblick auf die Chancengleichheit in medizinischen Berufen. Der medizinische Bereich ist zunehmend weiblicher geworden: Derzeit sind 60 Prozent der Studierenden an den medizinischen Fakultäten in der Schweiz weiblich. Dies verdeutlicht, wie sich die gesellschaftlichen Normen allmählich verändert haben: In der Schweiz ist es Frauen seit Ende des 19. Jahrhunderts möglich, Medizin zu studieren – die erste Schweizer Ärztin, Marie Heim Vögtlin, begann ihr Studium im Jahr 1868. Heute ist dies normal und gesellschaftlich akzeptiert. Trotzdem beträgt der Frauenanteil bei Professuren an Schweizer Universitäten weniger als 20 Prozent (an medizinischen Fakultäten beträgt der Anteil sogar nur 10 bis 15 Prozent) [1]. Es handelt sich nicht um ein Problem der Proportionalität, sondern ist die Folge eines Phänomens, das die Frauen daran hindert, an die Spitze der Hierarchie zu gelangen – die berühmte gläserne Decke. Dazu kommen die Glaswände, die bewirken, dass Frauen viel einfacher in Berufe oder Branchen gelenkt werden, die weniger prestigeträchtig sind und in denen kein Aufstieg möglich ist.