Einführung
Zusammenfassung
Weltweit steigt auch wegen der steigenden Lebenserwartung die Zahl multimorbider Patienten.
Im Auftrag der Schweizerischen Gesellschaft für Allgemeine Innere Medizin haben wir geprüft, ob die Behandlung multimorbider Patienten unter SwissDRG zurzeit adäquat vergütet wird. Grundlage hierfür war eine Analyse über vier Jahre von knapp 1,5 Mio. Fällen aus allen Spitalkategorien und Landesteilen.
Im DRG-System beträgt der Anteil von Patienten mit schweren oder äusserst schweren Komorbiditäten oder Komplikationen in unseren Daten knapp einen Fünftel. Unsere Analyse zeigt, dass einerseits multimorbide Fälle und andererseits Fallpauschalen mit einem hohen Anteil an multimorbiden Fällen in unserem Kollektiv ökonomisch deutlich benachteiligt werden.
Dies kann zu Fehlanreizen führen und die Versorgung multimorbider Patienten gefährden.
Die alleinige Betrachtung des Kostendeckungsgrads, der bei wenig komplexen und multimorbiden Fällen ähnlich ist, kann zu Trugschlüssen führen. Für den finanziellen Erfolg eines Spitals ist nicht der relative Kostendeckungsgrad, sondern das absolute Ergebnis und damit die deutlich höheren Kosten bei multimorbiden Patienten massgebend.
Die SwissDRG AG legt, auch auf Anregung der Schweizerischen Gesellschaft für Allgemeine Innere Medizin, in der aktuell gültigen Systemversion (7.0) einen Entwicklungsschwerpunkt auf diese Thematik.
Multimorbidität wird definiert als gleichzeitiges Vorliegen von zwei oder mehr chronischen oder akuten Erkrankungen und gesundheitlichen Störungen bei einer einzelnen Person [1]. Ein Patient mit mehr als 4 Krankheiten hat 3,2-mal mehr ambulante Konsultationen, wird 4,5-mal häufiger hospitalisiert und verursacht durchschnittlich 5-mal höhere Kosten pro Jahr als ein Patient ohne chronische Krankheit [2]. Multimorbide Patienten haben eine schlechtere Lebensqualität und ein höheres Sterberisiko (Hazard Ratio 1,73 bei zwei bzw. 2,72 bei drei Erkrankungen) [3, 4].