Vielschichtige Bedürfnisse chronisch kranker Menschen

Zusammenfassung

Rund 2,2 Millionen Menschen haben in der Schweiz teilweise sehr spezifische Bedürfnisse an ein Gesundheitssystem, das primär Krankheiten, Komplikationen und Spitalaufenthalte vergütet. Der Mangel herrscht dort, wo der Bedarf am grössten ist: bei den chronisch Kranken, die 80 Prozent der Gesundheitskosten verursachen.
Die Lungenliga betreut schweizweit knapp 100 000 Patientinnen und Patien­ten mit chronischen Atemwegs- und Lungenkrankheiten. Sie lebt in ihrer Praxis auf vielen Ebenen ambulantes Chronic Care Management vor. So erzielt sie mit einem umfassenden Beratungsansatz mehr Lebensqualität für die Betroffenen, strebt nach weniger Exazerbationen, tieferen Hospitalisationstagen und höherer, physischer Leistungsfähigkeit – dank Selbst­management bei COPD. Auch trägt sie zu einer signifikanten Qualitäts- und Effizienzsteigerung bei der Behandlung von Schlafapnoe-Patientinnen und -Patienten bei. All dies ist nur dank interdisziplinärer Zusammenarbeit mit der zuweisenden Ärzteschaft und bestens ausgebildetem, nicht-medizinischem Fachpersonal möglich.
Wenn die vielen kleinen Erfolgsgeschichten aufaddiert werden, dann ist das «grosse Bild» des Chronic Care Managements realer, als vielfach gedacht. Initiativen, Projekte und Angebote, welche sich konsequent am Patientennutzen und der Behandlungsqualität orientieren, sind deshalb in Zukunft noch stärker zu fördern. Denn was letztlich zählt, ist das Ergebnis am Ende der Behandlungskette: die Versorgungs- und die Lebensqualität.
Der Mangel in der Versorgung herrscht dort, wo der Bedarf am grössten ist. Denn in der Schweiz ist fast jede dritte Person ab 15 Jahren chronisch krank. Hinzu kommt, dass jede/jeder fünfte über 50-jährige Schweizerin/Schweizer multimorbid ist – Tendenz zunehmend. Das ist deshalb alarmierend, weil das Leben mit einer chronischen Krankheit in den Beruf, in die Familie und damit in die Gesellschaft hineinwirkt und diese Patientengruppe rund 80 Prozent der Gesundheitskosten verursacht [1].