Draussen lauern böse Menschen, kranke Tiere, Zecken und Unfälle. Eine Umfrage der Pro Juventute bei Eltern von Kindern zwischen fünf und neun Jahren über das Spielverhalten an drei Werktagen, ergab eine unbeaufsichtigte Spielzeit von einer halben Stunde täglich. Je nach Wohnquartier, Verkehrsbelastung und sozialem Klima spielen Kinder sogar nur vier Minuten ohne Kontrolle im Freien und neun von zehn bleiben lieber in der Wohnung. Ein Viertklässler aus einer anderen Befragung: «Ich spiele lieber drinnen, weil da die Steckdosen sind.» Die Hälfte der Kindergärtler kann keinen Purzelbaum machen, andere sind überzeugt, dass Kühe einen Winterschlaf halten. Es fehlt nicht an Kampagnen wie der von Pro Juventute, die mehr Freiraum für Kinder fordert. Im letzten Jahr hat der Verkehrsklub Schweiz, VCS, Aktionswochen «walk to school» organisiert. Statt mit dem Mamitaxi zwei Wochen zu Fuss in die Schule. Die ausgelosten Gewinner erhielten einen Gutschein für eine Bahnreise. Viele Teilnehmer waren begeistert. Sie entdeckten Ameisenstrassen, drachenförmige Wolken und bestanden selbsterfundene Mutproben. Kinder wollen im freien, gemeinsamen Spielen ihre Neugier und Lebenslust ausleben, am liebsten unbeaufsichtigt, an einem unstrukturierten, vergammelten Ort. Fachleute sehen zwischen Bewegungsmangel, fehlenden Naturerlebnissen und krankhaften Entwicklungen einen Zusammenhang. In der Folge werden alle Lebensbereiche medikalisiert. Übergewichtige landen in spezialisierten Ferienlagern, Depressionen und Burn-out von Jungen und Allerjüngsten in den Notfallaufnahmen der Psychiatrie. Auf der einen Seite die Helikoptereltern mit ihrem Förderwahn, Kuschelpädagogik und virtuelle Ersatzwelten, auf der anderen Seiten ein Heer von Ratgebern mit oft widersprüchlichen Empfehlungen, die zusätzlich die Erzieher verunsichern.