Man sucht etwas und findet etwas anderes. Zum Beispiel einen Seeweg nach Indien und landet in der Karibik, oder forscht nach dem Stein der Weisen und entdeckt das Porzellan. Aus einem missratenen Klebstoff wird das viel genialere Post-it, aus Scheuchzers Skelett eines in der Sintflut ertrunkenen Menschen wird schliesslich ein fossiler Riesensalamander. Was wir Fortschritt nennen, ist eine Interpretation aus der Rückschau, die nachträgliche Bewertung eines langen Weges aus Irrtümern, fehlgeschlagenen Versuchen, blockierenden Denktraditionen, Aberglauben und sogar Fälschungen. Viele medizinische Beobachtungen, etwa zum Herz und Blutkreislauf, wurden falsch gedeutet und waren dennoch ein Schritt in die richtige Richtung. Anderes bleibt ein schöner Schein. Zum Beispiel Schiaparellis Netz von Marskanälen, die vermeintlich auf eine hohe Zivilisation schliessen liessen. Es gibt Sackgassen, die bis in die neuere Zeit führen. Etwa Halleys astronomische Theorie der hohlen Erde, die abweichende Dichteberechnungen kompensieren sollte. Sie inspirierte Jules Verne zu seiner Reise zum Mittelpunkt der Erde. Und selbst der amerikanische Kongress finanzierte im 19. Jahrhundert eine Reise an den Südpol, um dort nach einem vermeintlichen Eingang in diese Wunderwelt zu suchen. Mitten im Krieg schickten hohe Nazis Radarteams nach Rügen, um die Ränder eines Hirngespinstes zu erkunden.