Wir haben unzählige Stunden miteinander gerungen. Sie war unerbittlich und liess mir nichts durchgehen. Trotzdem hing ich an ihr. Sie hiess Gabriele. Gabriele 35 und war eine Schreibmaschine. Stundenlang tippten wir Eintrittsstatus, Diagnoselisten, Verlaufseinträge, Epikrisen, was halt so anfällt im Alltag eines Assistenzarztes. Streng war Gabrieles Umgang mit Tippfehlern. Nix Autokorrektur. Man musste mit Tipp-Ex die einzelnen Buchstaben auslöschen, oder eine ganze Zeile übermalen. Wenn zwei Diagnosen umgestellt werden mussten, oder gar eine neue dazu kam, dann schrieb man selbstverständlich alles neu. Dieses Erfordernis hatte einen entscheidenden Nachteil: Man musste dauernd überlegen und nachdenken, was man wirklich schreiben wollte. Wenn ich nur an die Wochenendübergaben denke! Von allen 18 (in Worten: achtzehn) Patienten der Station die Diagnoselisten auf den neuesten Stand bringen. Das war ätzend.