Als frischgebackene Ärztin war ich so an die Pikettdienst-Zeiten gewöhnt, dass ich nicht mehr wusste, wie es ist, tagsüber zu arbeiten. Die drei Piepser in meiner Tasche begleiteten mich treu auf meinem Hin und Her zwischen Abteilung und Notfallstation, wo stets neue, leitlinienfremde Situationen zu meistern waren. Meine Lernkurve verlief steil, doch oft blieb der Zweifel: Habe ich die richtige Entscheidung getroffen? Was würden meine Kollegen denken? Am nächsten Tag entnahm ich dem Dossier, wie es dem Patienten ergangen war und ob Vorgesetzte die Behandlung geändert hatten. Tatsächlich brauchte ich dringend negatives oder positives Feedback. Ein Jahr später kam die Beurteilung: «Klar machst du das sehr gut; wenn dem nicht so wäre, hätte man es dich wissen lassen.» Grosse Erleichterung − aber warum konnte man mir das nicht schon früher sagen? Ein Feedback wäre mir in der nächtlichen Einsamkeit sehr willkommen gewesen.