Klinische Guidelines wurden ursprünglich entwickelt, um den Entscheidungsprozess in Kombination mit der Erfahrung und dem Wissen des Arztes oder der Ärztin zu unterstützen [1]. Heute dienen klinische Guidelines, Leitlinien oder Empfehlungen (nachfolgend «Guidelines» genannt) einem breiteren Zweck und werden von verschiedenen Stakeholdern (Ärzten, Versicherungen, medikolegalen Fragen etc.) verwendet. Guidelines gelten als Massstab für den aktuellen Stand des Wissens in der Abklärung und Behandlung von Erkrankungen. Nichtbefolgen der Empfehlungen muss daher nicht selten gerechtfertigt werden. Da sie in vielen Situationen als übergeordnete Empfehlung mit bindendem Charakter angesehen werden, gelten für Guidelines hohe Standards an die Qualität. Dessen ungeachtet werden heute viele Guidelines verschiedener Fachgesellschaften publiziert, die anerkannte Qualitätsanforderungen nicht erfüllen, und häufig basiert die zugrunde liegende Evidenz auf Expertenmeinungen [2]. Analysen der Qualität von Guidelines zeigten einen substantiellen Verbesserungsbedarf.