Ich stamme aus Rigmo, einem kleinen Dorf auf 3700 Meter Höhe, im tibetisch geprägten Distrikt Dolpo. Die Einwohner (Dolpopa) sind Nomaden, die von Landwirtschaft und Handel leben. Schulunterricht gab es in meiner Jugend kaum. Deshalb schickte mich mein Vater mit zehn Jahren in die Internatsschule einer französischen NGO. Dorthin musste er mich zu Fuss in vier Tagen über zwei 5000er-Pässe begleiten. Vier Jahre lang besuchte ich jeweils während der Sommermonate diese Schule. Neben dem Unterricht musste ich meiner Gastfamilie bei der Landwirtschaft helfen und litt oft unter starkem Heimweh. Mit 14 Jahren konnte ich in eine Internatsschule in Kathmandu wechseln, wo ich bald gute Leistungen erreichte. Kurz darauf erfuhr ich, dass meine Schwester nach tagelangem Marsch im einzigen Spital im Dolpo ohne die nötige Therapie an einer postnatalen Blutung verstarb. Da wurde mir klar, dass ich einen Beruf erlernen wollte, mit dem ich den Frauen im Dolpo beistehen könnte.