Husten ist in der Grundversorgung ein häufig berichtetes Symptom, 4 % aller Konsultationen sind darauf zurückzuführen [1]. Neben unmittelbaren Folgen wie Thoraxschmerz, Rippenfraktur, Inkontinenz, Kopfschmerz und Schlafstörung führt er auch zu Besorgnis, Erschöpfung, Schwierigkeiten beim Reden und – akzentuiert seit der SARS-CoV2-Pandemie – zu Scham, Reaktionen aus dem Umfeld und sozialem Rückzug [2].
Richtlinien versuchen, ein auf Evidenz und Systematik beruhendes Vorgehen für die Abklärung und Behandlung zu ermöglichen [3, 4, 5].
Husten – ein Reflex
Hustenrezeptoren in unteren Atemwegen und Lungen, aber auch oberen Atemwegen (eine hohe Dichte besteht laryngeal und pharyngeal) werden durch mechanische, physikalische oder chemische Irritationen erregt und leiten dies über vagale Afferenzen in das Hustenzzentrum im Hirnstamm weiter. Andere vagale Afferenzen können überlappen, beispielsweise aus dem Oesophagus. Im Hustenzentrum wird die motorische Antwort induziert, welche den Aufbau eines hohen thorakalen Drucks und die plötzliche Glottisöffnung und somit den Hustenstoss generiert. Projektionen aus Hirnstammregionen werden durch subkortikale und kortikale Aktivitäten des Gehirns moduliert und können so den Hustenreflex in seiner Wahrnehmung und Intensität beeinflussen [6].
Erstaunlicherweise ist im klinischen Alltag eine objektive Messung des Hustens nicht etabliert.
Erstaunlicherweise ist im klinischen Alltag (auch und auch in den meisten Studien) eine objektive Messung des Hustens nicht etabliert. Entsprechende einfache Messgeräte sind in Entwicklung, aber weit entfernt vom alltäglichen Einsatz. Das Ausmass des Problems wird primär durch den Leidensdruck des Patienten bestimmt. So berechtigt dieser Ansatz ist, stellt dies eine Unschärfe in der Erfassung des Problems und therapeutischer Effekte dar.
Einteilung des Hustens anhand seiner Dauer
Aus klinischer Sicht ist es nützlich, den Husten primär aufgrund seiner Dauer anzugehen: Der akute Husten dauert bis zu drei Wochen, der subakute Husten bis zu acht Wochen. Ab acht Wochen ist definitionsgemäss ein chronischer Husten vorhanden. Sowohl ätiologisch wie auch prognostisch überlappen sich der akute und subakute Husten stark, so dass ihn die klinische Praxis wie auch die Leitlinien häufig einheitlich betrachten und behandeln.
Der akute und subakute Husten
Häufigste Ursache des akuten Hustens (70–90 %) sind Atemwegsinfekte, meist viraler Ursache und selbstlimitierend [4]. Neben der Patienteninformation und allenfalls symptomatischer Therapie gilt es primär, «Red Flags» zu erkennen. Hämoptysen, Dyspnoe, Tachypnoe, Tachykardie, Thoraxschmerz, Stridor, Hypoxämie oder Zyanose, anhaltendes Fieber, aber auch schwere Immunsuppression und Komorbiditäten müssen eine Diagnostik nach sich ziehen, wobei die Pneumonie, die Lungenembolie oder eine Asthma- oder COPD-Exazerbation die häufigsten akut relevanten Differentialdiagnosen darstellen.
Antibiotika sollen nur in Ausnahmefällen und begründet eingesetzt werden.
Speziell auch bei subakutem Husten kann eine postinfektiöse bronchiale Hyperreagibilität zugrunde liegen. Diese wird allenfalls mittels einer obstruktiven Auskultation festgestellt und vorübergehend mit einer inhalativen Therapie mittels Bronchodilatatoren und inhalativer Steroide behandelt. Vorbestehende, nun allenfalls demaskierte oder exazerbierte zugrundliegende chronische Atemwegs- oder kardiale Erkrankungen müssen klinisch und anamnestisch gesucht und wo vorhanden in die Behandlung einbezogen werden.
Ohne «Red Flags» und ohne Verdacht auf eine zugrundliegende chronische Atemwegserkrankung kann der akute und subakute Husten meistens rein symptomatisch behandelt werden. Antibiotika sollen nur in Ausnahmefällen und begründet eingesetzt werden, da aufgrund der überwiegend viralen Genese von Atemwegsinfekten meist kein Benefit zu erwarten ist. Von den häufig eingesetzten symptomatischen Behandlungen darf bestenfalls eine Verkürzung der Symptomdauer erwartet werden. Die Evidenz für eine klassische Pharmakotherapie ist häufig nicht viel besser als für pflanzliche Präparate oder Hausmittel [6].•••
Chronischer Husten
In der nächsten Ausgabe der säz folgt der zweite Teil zum Thema Husten. Dabei stehen die Aufarbeitung und die Therapie des chronischen Hustens im Mittelpunkt.
- Bergmann M, et al. Prevalence, aetiologies and prognosis of the symptom cough in primary care: a systematic review and meta-analysis. BMC Fam Pract. 2021 12; 22(1): 151
- French CL, et al. Impact of chronic cough on quality of life. Arch Intern Med. 1998 10-24;158(15): 1657-61
- Morice AH, et al. ERS guidelines on the diagnosis and treatment of chronic cough in adults and children. Eur Respir J. 2020 Jan 2; 55(1): 1901136
- Irwin RS, et al. Classification of Cough as a Symptom in Adults and Management Algorithms: CHEST Guideline and Expert Panel Report. Chest. 2018; 153(1): 196-209
- Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Fachärztliche Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten mit Husten: Leitlinie Nr. 020-003. 2019. Verfügbar unter:
- Irwin RS, Madison JM. Unexplained or Refractory Chronic Cough in Adults. N Engl J Med. 2025 27; 392(12): 1203-1214