In den Industrieländern hat sich die medizinische Ausbildung in den letzten 100 Jahren vor dem Hintergrund des wissenschaftlichen Fortschritts, der Entwicklungen in der Bioethik und des zunehmenden Eintritts von Frauen und Angehörigen von Minderheiten in den Berufsstand stark verändert. In einem entscheidenden Punkt ist diese Ausbildung jedoch nach wie vor zutiefst archaisch. Anfang der 1980er-Jahre habe ich meine Tätigkeit als Hausarzt aufgenommen. Von zehn Personen, die mich im Laufe eines Tages konsultierten, waren sieben Frauen. Sie suchten mich in eigener Angelegenheit auf, häufig aber auch für ihre Kinder, für ihren Partner oder ihre Partnerin, für ihre Eltern – manchmal sogar für eine Schwester oder eine Freundin. Frustriert musste ich schnell feststellen, dass ich nicht nur in Bezug auf die Gesundheit von Frauen unzureichend informiert und geschult worden war, sondern auch unter dem Einfluss von Vorurteilen und Unwahrheiten stand.