Mit seinem aufsehenerregenden Enthüllungsbuch [1] über die Misshandlung älterer Menschen in den französischen Pflegeheimen des Orpea-Konzerns hat der Journalist Victor Castanet einen Weckruf ausgesandt, der nicht ungehört verhallen darf. Endlich finden die zahlreichen Stimmen von Angehörigen, Heimbewohnenden, aber auch von Pflegekräften Gehör, die beklagen, dass in etlichen Einrichtungen des börsennotierten europäischen Pflegeheimbetreibers Orpea finanziellen Aspekten systematisch Vorzug gegenüber der Qualität der Pflege gegeben wird. Der schonungslose Untersuchungsbericht des französischen Gesundheitsministeriums[2] beschreibt ein «System der Kostenoptimierung»auf allen Ebenen: angefangen bei Qualität und Umfang der Mahlzeiten, über unzureichende Materialausstattung (selbst im Hygiene- und Wäschebereich) bis hin zum ständigen Mangel an Personal, dessen übermässige Arbeitsbelastung keine angemessene Pflege ermöglicht.