Eine rasche Erkennung von Traumafolgeerkrankungen ermöglicht, Betroffene möglichst früh in entsprechende Unterstützungsangebote zu verweisen und ­damit Chronifizierung und hohe gesellschaftliche Folgekosten zu vermeiden. Der Anteil der Personen im Asyl- und Flüchtlingsbereich mit einer Traumatisierung oder psychischen Erkrankung ist zahlenmässig nicht erfasst, wird jedoch von der Hälfte der Schweizer Kantone als eher hoch eingeschätzt. Aufgrund verschiedener internationaler Studien ist davon auszugehen, dass 40 bis 50% aller Geflüchteten traumatisiert sind [1]. In Deutschland haben rund drei Viertel der Schutzsuchenden aus Syrien, Irak und Afghanistan ­unterschiedliche Formen von Gewalt erfahren und sind oft mehrfach traumatisiert [2]. Die posttrauma­tische Belastungsstörung (PTSD) (30,6%) und Depres­sionen (30,8%) sind die häufigsten Folgen von trau­matischen Folter- und Kriegserfahrungen [3]. Diese sogenannten Traumafolgeerkrankungen haben nicht nur auf das private Leben der Betroffenen einen Einfluss, sie erschweren zusätzlich die soziale Integration. Zwischen dem Vorliegen psychischer Erkrankungen und dem Grad an sozialer Integration besteht eine ­negative Korrelation. Unbehandelte Traumafolgestörungen reduzieren die Motivation und die Fähigkeit zum Spracherwerb, erschweren die Integration in den Arbeitsmarkt und die Gesellschaft des Aufnahmelandes. Eine späte oder fehlende Identifikation und Behandlung führen deshalb auch zu gesundheitlichen und so­zialen Folgekosten. Diese übersteigen die Kosten einer frühzeitigen Therapie bei weitem [4]. Bereits im Jahr 2016 wies der Verbund «Support for Torture Victims» auf die Notwendigkeit der Früherkennung hin [5].