Seit es Städte gibt, entwirft der Mensch Gegenlandschaften, friedlich-bukolische Orte, fern von allen gesellschaftlichen Zwängen. Sehnsuchtsorte, die seine Modernisierungsschäden kompensieren sollen. Der römische Dichter Vergil erfand für seine Hirtengedichte die mythische Landschaft Arkadien. Er fand viele Nachahmer, so Longos, der mit seinem Hirtenroman Daphnis und Chloe einen spätantiken Bestseller schrieb. Die Idylle gehört durch alle Jahrhunderte zum literarischen Programm. Der Zürcher Salomon Gessner wurde mit seinen Idyllen europaweit bekannt. Die arkadische Schäferwelt bleibt ein Lieblingstopos italienisch-französischer Hofpoeten. Eine harmonische Natur kontrastiert das konfliktreiche Leben der Bürger und Adligen. Der Roman Walden des Amerikaners Henry David Thoreau von 1854 wurde zur Bibel für Zivilisationsmüde. Der Bericht über eine zweijährige materielle Askese eines unabhängigen Mannes, achtsam und meditativ in der Wildnis unterwegs, fasziniert die Leser bis heute. Seither gibt es im englisch-amerikanischen Raum eine ungebrochene Tradition des Nature Writing, von Jack London bis zum Roman H für Habicht von Helen Macdonald. Eine Trauerarbeit, eine obsessive Beschreibung der Falknerei mit vielen Naturbeobachtungen, die der Autorin 2014 mehrere Preise eingebracht haben. Die Natur als Hauptakteur kennen auch deutsche Romantiker, Autoren wie Stifter, Mörike, Löns; aktuell Peter Wohlleben. Naturlyrik ist ein fester Bestandteil aller Gedichtanthologien. Wenig bekannt ist Darwins berühmte Schlusspassage von On the Origin of Species: «[...] from sosimple a beginning endless forms most beautiful and most wonderful have been, and are being, evolved.» Eine andere Naturkonzeption als die funktionalistische, neodarwinistische Betrachtung. Darwins grandeur in this view of life beruht auf der konkreten, sinnlichen Naturerfahrung eines genialen Beobachters.