Häufig kommen Eltern auf mich zu und fragen, ob die Entscheidung ihres Kindes, Medizin zu studieren, richtig ist. Jahr für Jahr ist unser Beruf immer stärkerem Druck ausgesetzt und macht Schlagzeilen – mitunter zu Recht, häufig aber auch zu unrecht. Trotzdem ist meine Antwort ein klares «Ja»! Was zählt, ist das, was man im Herzen trägt. Die Lust muss im Vordergrund stehen, der Wille, seinem Nächsten zu helfen und Gutes zu tun. Unser Beruf ist in erster Linie ein spannendes menschliches Abenteuer. Er bleibt ­jedoch eng verbunden mit einem sich schnell ent­wickelnden Technologiefeld und der ständigen Betrachtung des Menschen und seines Platzes im ­Verlauf des Lebens und im Angesicht des Todes. Mit anderen in Kontakt zu stehen, ihnen unser Wissen zu vermitteln, ihnen bei ihrer Therapie zu helfen, ihnen zuzuhören und selbst ihre intimsten Geheimnisse zu teilen ist ­bereichernd und beflügelnd. Dennoch ist unser Arbeitsalltag nicht nur eitel Sonnenschein. Das Hinterfragen unseres Berufs und seiner Zukunft ist wichtig, das greifbare Leiden der Dienstleistungserbringer im Pflegebereich und die Ernüchterung über den Berufsalltag werden zunehmend öffentlich zur Sprache gebracht.