Der Blick aus dem Bürofenster von Roland Bingisser geht auf die Basler Predigerkirche aus dem 13. Jahrhundert. Doch die gleich drei Bildschirme auf seinem Pult verdeutlichen, dass er als Leiter des Notfallzentrums am Universitätsspital Basel auf modernstem Niveau arbeitet: 55 000 bis 60 000 Patientinnen und Patienten empfange seine Abteilung pro Jahr, das sind vergleichsweise viele [1]. Ein Grund für die hohe Nachfrage liegt darin, dass der Standort am Dreiländereck auch Südbaden und einen Teil des Elsasses abdeckt. Einen ähnlichen Service bieten erst wieder Freiburg im Breisgau (Deutschland) und Mülhausen (Frankreich). Die Grenznähe und damit die Tatsache, dass Basel-Stadt Standortkanton eines Landesflughafens ist, führt zu einer weiteren Klientel, die vor allem in kleineren Spitälern Seltenheitswert besitzt: Im Schnitt einmal pro Woche bringen Polizei oder Grenzschutz einen sogenannten Packer, Pusher oder Stuffer vorbei, Menschen also, die des interkorporalen Drogentransports verdächtigt werden. Packer sind Profis, die schon in ihrer Heimat mit grossen Kirschen trainieren und so imstande sind, bis zu 100 Kokain-Fingerlinge zu zehn Gramm in Magen und Darm zu behalten. Pusher sind meist Gefängnisinsassinnen und -insassen, die Drogen kurzzeitig in Anus oder Vagina verstecken. Stuffer hingegen handeln meist spontan: Droht dem Dealer eine Polizeikontrolle, entscheidet er sich dafür, das oft in Kondomen konfektionierte kostbare Gut kurzerhand zu schlucken statt wegzuwerfen. Bleibt eine solche Person im Fahndungsnetz der Gesetzeshüter hängen, kommt es häufig zu einer Untersuchung via Computertomografie (CT). In der Nordwestschweiz ist dafür das Notfallzentrum zuständig.