Man darf nicht vergessen, dass ich seit Beginn meiner Tätigkeit oft zehn oder zwölf Kinder der gleichen Mutter zur Welt gebracht habe. Familien mit sechs Kindern galten damals als kleine Familie.» Nein, die Geburt eines Kindes ist nicht zwingendermassen ein Glück. Im Walliser Val d’Anniviers, wo Adeline Favre 1908 zur Welt gekommen war, bedeutete Geburt Schmerz, Angst und Armut. Sie war das achte von 14 Kindern. Bei ihrer eigenen Geburt war die Mutter ganz auf sich selbst gestellt, weil die zuständige Hebamme bei Steisslage nicht anders helfen konnte, als in einer Zimmerecke zu beten.