Manchmal braucht es Mut, eine medizinische Praxis zu betreten. Weil die Patient:innen nicht sicher sein können, dass sie dort unvoreingenommen behandelt werden. Geschlechtsinkongruenz (GI) heisst die Diagnose, die bei noch vielen Ärzt:innen Ratlosigkeit hervorruft. Wie umgehen mit Menschen, die sich nicht mit dem Geschlecht identifizieren, das in ihrem Geburtsregister eingetragen ist? Wie reagieren, wenn sie von ihrem Leidensdruck erzählen? Die Unsicherheit ist durchaus nachvollziehbar, wenn man sich vor Augen führt, wie dieses Thema lange Zeit behandelt wurde. In der zehnten Revision der «International Classification of Diseases», kurz ICD-10, wurden Menschen mit GI noch als psychisch krank klassifiziert.