Unerträglich war es für den jungen Assistenzarzt und Diskuswerfer Adolf Jens Koemeda nicht, das Leben in der Tschechoslowakei der 1960er Jahre. Aber eben auch nicht frei. Seine Familie war ein Opfer der Diktatur geworden, nachdem sein Onkel als «Klassenfeind» festgenommen worden war. Zwei Jahre lang schuftete er in einer Uran-Mine, wurde dabei verstrahlt und starb bald nach der Entlassung. So erzählt es der sich mittlerweile im «Unruhestand» befindende Psychiater, der noch täglich das Diskuswerfen pflegt. Am eigenen Leib erfuhr Koemeda die Unfreiheit, als er mit einem Publikationsverbot belegt wurde und keinen Verlag mehr fand für seine Geschichten. Und doch wäre er zu diesem Zeitpunkt in der Heimat geblieben, hätte seine Mutter zu dieser Zeit noch gelebt. So aber stieg er 1966 in seinen geliebten Aero, Baujahr 1927, und fuhr durch nach Wien, wo er bei einer Tante unterkam. Weil ihm klar war, dass die Sprache der Schlüssel war zu einer neuen Heimat und selbstverständlich auch zu einer Anstellung als Arzt, verkaufte Koemeda einige Zeit später den Aero, ermöglichte sich damit eine Zeit ohne Einkünfte und verwandte sie ganz aufs Deutschlernen. Als er befand, dass seine Deutschkenntnisse für eine Anstellung als Arzt reichen würden, bewarb er sich in der Schweiz im Spital Illanz und war damit endgültig in seiner neuen Heimat angekommen. Und als er nach einigen Jahren genug Geld beisammenhatte, kaufte er sich seinen Aero wieder zurück und hatte damit auch ein Stück der alten Heimat wieder bei sich.