Unsere Zeit hat die Befreiung von der über Leben und Gesundheit gebietenden Autorität des Arztes der alten Art angebahnt; das Volk hat angefangen, sich selbst helfen zu wollen, und jeder einsichtsvolle Arzt, der für die Interessen der Menschheit wirkt und nicht nur für seine Zunft, wird dieses Bestreben als einen glückbringenden Fortschritt freudig begrüssen und ihm alle seine Kräfte weihen.» Der Millionenseller «Die Frau als Hausärztin» war keine einfache Kost: Gleich drei medizinische Streitlinien kreuzten sich in dem hausärztlichen Sachbuch der kämpferischen Ärztin Anna Fischer-Dückelmann aus dem Jahr 1901. Bereits im Eingangszitat prangert sie das patriarchalische Arztverständnis an und kämpft dafür, dass die Patientenschaft selbst Gesundheitswissen haben und danach handeln solle. Als promovierte Ärztin und Autorin stellte sie sich gegen die alten Geschlechterrollen. Schliesslich war ihr Bekenntnis zur Naturheilkunde ein Affront gegen die aufkommende technisierte Medizin.