In gesundheitspolitischen Diskussionen werden Patientinnen und Patienten oft beschuldigt, immer mehr Leistungen zu verlangen. In der Praxis zeigt sich jedoch ein ganz anderes Bild: Patientinnen und Patienten suchen eine Hausärztin oder einen Hausarzt, der oder die vertrauenswürdig ist und sie langfristig und konstant betreut [1]. Einem Patienten – unter Berücksichtigung seiner individuellen Gesundheitskompetenz – zu erklären, was die Vor- und Nachteile einer spezifischen diagnostischen Untersuchung oder einer Therapie sind, benötigt Zeit. Zu erklären, dass es besser wäre, auf etwas zu verzichten, als es einfach durchzuführen, ist oftmals aufwendig. Zusatznutzen und -aufwand und/oder -risiken stehen in einem solchen Fall in einem schlechten Verhältnis. Genau dies ist ein Kernprozess von «smarter medicine». Durch einen unverständlichen Tarifeingriff des Bundesrats in TARMED wurden Gesprächszeiten mit Patientinnen und Patienten, Angehörigen sowie mit anderen Gesundheits- und Medizinalberufen jedoch limitiert. Die mangelnde Koordination im Gesundheitswesen wird dann aber nicht dem Verursacher, dem Bundesrat, sondern den Gesundheitsberufen vorgeworfen. Entsprechende Dokumente des BAG, die aufzeigen, wie die Koordination zwischen dem ambulanten und stationären Bereich vergütet werden sollte, sind viel zu praxisfern. Der neue Arzttarif TARDOC würde die gröbsten Fehler dieses Tarifeingriffs lindern, wird aber aus ideologischen Gründen prokrastiniert.