Ausgangslage

Zusammenfassung

Hintergrund der Pflegeinitiative ist der massive Fachkräftemangel, der sich ­aufgrund von Sparmassnahmen kombiniert mit der Einführung der neuen ­Bildungssystematik in den letzten zehn Jahren entwickelt hat. Namentlich bei den diplomierten Pflegefachpersonen ist der Mangel gross. Heute werden nur 43% des errechneten Bedarfs dieser Berufsleute ausgebildet, benötigt werden aber weit mehr. Daher kommen auf 3 Diplomabschlüsse zwei aus dem Ausland zugewanderte Personen. Der Politik ist es nicht gelungen, wirksame Massnahmen gegen den Mangel zu ergreifen. Der SBK hat deshalb im Januar 2017 die Volksinitiative für eine starke Pflege lanciert.
Die Pflegeinitiative zielt mit verschiedenen Forderungen darauf ab, im Interesse der Patienten und ihrer Sicherheit mehr junge Menschen für einen Beruf im Pflegebereich zu motivieren und die Berufsleute im Arbeitsprozess zu halten. Namentlich sollen die Anzahl Ausbildungsabschlüsse zur diplomierten Pflegefachperson mit finanziellen Anreizen erhöht werden, die Berufsrollen klar definiert und alle in der Pflege tätigen Personen ausbildungs- und kompetenzgerecht eingesetzt werden. Mit den direkt bei den Krankenkassen in Rechnung gestellten, eigenverantwortlich erbrachten Pflegeleistungen werden die beruflichen Kompetenzen der Pflegefachpersonen anerkannt. Zur Attraktivitätssteigerung gehören in diesem typischen Frauenberuf auch individuelle Arbeitszeitmodelle und mehr Plätze für die ausserfamiliäre Kinderbetreuung. Laufbahn- und Lohnperspektiven, die der Verantwortung und der geforderten und erbrachten Leistung entsprechen, tragen zum Personalerhalt bei.
Bereits vor zehn Jahren wurde prognostiziert, dass die Kosteneinsparungsstrategien in den Spitälern längerfristig einen Qualitätsabbau erwarten lassen, der sich bei der direkten Arbeit mit den Patienten in unterlassenen Gesprächen, unzureichenden Informationen und mangelnder Unterstützung in der Alltagsbewältigung zeigen werde [1]. Die zeitgleich erfolgte Bildungsreform (vgl. Kasten, OdASanté 2017) und die Umstruktu­rierung der Ausbildungsangebote liessen die Ausbildungsabschlüsse zusätzlich einbrechen. Der zukünftige Bedarf an Pflegepersonal konnte mit den ausgestellten Ausbildungsabschlüssen schon im Jahr 2008 nur zu rund 50% gedeckt werden [2].