Selbstbewusst lässt er sich darstellen, Andreas Vesal, der als 28-Jähriger die Anatomie seiner Zeit revolutionierte. Sein Lehrbuch De Humani Corporis Fabrica (Über den Bau des menschlichen Körpers) darf als das berühmteste medizinische Buch aller Zeiten bezeichnet werden. Es kam erstmals 1543 heraus, im selben Jahr, in dem die These von Kopernikus das geozentrische Weltbild erschütterte. Die antike Anatomie, die auf Tiersektionen aufbaute und seit Jahrhunderten ­gelehrt wurde, enthielt Ungenauigkeiten und Fehler. Obschon die Kirche bereits zu Beginn des 14. Jahrhunderts die Zergliederung von menschlichen Leichen prinzipiell erlaubte, verhinderte der dogmatische universitäre Unterricht kritisches Hinterfragen und damit neue Sichtweisen.