«Möchtest du einen Kaffee?» – «Oh ja gerne» – «Espresso oder Crema?» Die Kollegin ruft mir zu: «Du würdest mir wirklich einen Espresso mitbringen?» Irritiert antworte ich: «Ja, warum nicht?» Zur Hintergrundinfo: Die Kollegin ist mir unterstellt. Wir sind später bei unseren zwei Espressi neben anderen Themen, die wir zu besprechen hatten, auch auf das « Kaffee holen» gekommen. Ich erfuhr, dass sie dies in ihrer langjährigen vorherigen Tätigkeit nicht erlebt hatte – und war erstaunt. Gelegentlich montagmorgens in unserer Praxis: Ein Kollege von mir freut sich, wenn er in sein Büro kommt und ich ihm wenig später seinen Espresso doppio vorbeibringe – sofern ich vor Ort bin und meine Zeit es erlaubt. Seine Reaktion: Es schmecke anders, wenn der Espresso von mir komme. Nun fragen Sie sich sicher, ob ich neben «meinen Mitarbeiter mit Koffein versorgen» auch noch anderes in meiner Arbeitszeit als Chefarzt zustande bringe. Dies möchte ich bejahen. Es bekommen auch Patientinnen und Patienten von mir einen Kaffee angeboten – auch hier überraschende Rückmeldungen. Natürlich freue auch ich mich, wenn ich von meinen Kolleginnen oder meinem Chef einen Espresso angeboten bekomme.