Der Glaube kann Berge versetzen, sagt ein Sprichwort. Auch in der Medizin kennt man die Macht der Gedanken. Die Erwartungshaltung von Patientinnen und Patienten hat nachweislich einen entscheidenden Einfluss auf die Wirksamkeit und Verträglichkeit einer Medikation oder Behandlung [1]. Der Neurowissenschaftler Dr. sc. Peter Krummenacher ist auf dieses Phänomen spezialisiert: «Placebo- und Noceboeffekte sind objektivierbare, aktive psychoneurobiologische Reaktionen des Organismus.» Vor allem aber seien es Lernphänomene, die durch den psychosozialen Behandlungskontext entstehen: «Was hat ein Patient zuvor erlebt, welches Vorwissen und welche Behandlungserwartungen hat er, welche Bedeutung schreibt er einer Behandlung zu und wie erlebt er die Beziehung zum Behandler? All das ist sehr subjektiv, hat aber physiologische, messbare Auswirkungen.»