Schon heute beenden über 10% der Assistenzärzte und -ärztinnen ihre Karriere und wechseln den Beruf. Warum? Warum lassen sich ältere Kolleginnen und Kollegen pensionieren, obwohl sie noch gut einige Jahre weiterarbeiten könnten und eigentlich Freude haben am Beruf? Es gibt darauf viele Antworten. Und alle bilden einen Teil der komplexen Realität ab. Vieles liegt an der politisch induzierten Mikro-Regulierung, an veralteten Strukturen mit untauglichen Klinikinformationssystemen, an der Ökonomisierung des Gesundheitswesens, am Fachkräftemangel, an steigenden Kosten bei stagnierender Entschädigung. All dies erhöht den Druck, der in den Institutionen oder Praxen des Gesundheitswesens herrscht. Für Ärztinnen und Ärzte resultiert daraus immer mehr Tempo, Hast, Bürokratie und immer weniger Zeit für echte ärztliche Tätigkeiten. Aber gibt es etwas an der zunehmenden Flucht aus unserem Beruf, das hausgemacht ist? Was liegt an uns selbst? An unserem Berufsstand – wie wir uns an den Universitäten sozialisieren und auf was wir uns im Berufsleben fokussieren? Dies interessiert mich besonders: Denn das Eigene kann man primär und am effizientesten ändern.