Die vom Bundesamt für Wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) registrierten Versorgungsstörungen nehmen stetig und in den letzten Jahren sogar exponentiell zu. Man muss unterscheiden zwischen Wirkstoffen, Präparaten in entsprechenden Dosierungen und letztlich Packungen in Grössen, die in Abhängigkeit von der angestrebten Behandlungsdauer abgegeben werden. Zum Zeitpunkt, an dem ich diesen Artikel verfasse, fehlen 106 meldepflichtige Wirkstoffe in der Schweiz. Viele im Praxisalltag relevante Medikamente sind nicht meldepflichtig, wie Antihypertensiva oder Antidiabetica. Das wahre Ausmass der Problematik wird deshalb besser von Herrn Martinelli auf www.drugshortage.ch abgebildet. Es fehlen 346 Wirkstoffe, respektive ausgehend von diesen 689 Dosierungen und/oder galenische Formen und wenn zudem die fehlenden Packungsgrössen mitberücksichtigt werden 891 Produkte. Die Verfügbarkeit ändert von Woche zu Woche, manchmal sogar von Tag zu Tag. Gewisse Medikamente sind seit Monaten auch schon rationiert. Eine Hausarztpraxis mit Selbstdispensation erhält zum Beispiel vom Grossisten gewisse Antidiabetica in einem Umfang geliefert, dass gerade mal 10% der betreuten Diabetikerinnen und Diabetiker noch behandelt werden können. Die anderen 90% werden mit Rezepten zu umliegenden Apotheken geschickt, wo sie manchmal etwas bekommen, manchmal nicht. Ebenso verläuft es, wenn diese Diabetiker dann zu Spezialärztinnen und -ärzten oder in die Spitäler überwiesen werden, wobei dann zusätzlich noch weitere Konsultationskosten anfallen. Wegen denselben Medikamenten werden in Praxen und Apotheken schon Medizinische Praxisassistentinnen und -assistenten beziehungsweise in Apotheken Pharmaassistentinnen und -assistenten verbal und manchmal tätlich angegangen von aufgebrachten Patientinnen und Patienten, da die Medikamente nicht verfügbar sind. In der Praxis und in der Apotheke müssen die Ärztinnen und Ärzte, respektive die Apothekerinnen und Apotheker dann die Situation klären und erklären. In Spitälern haben Sicherheitsdienste neuerdings alle Hände voll zu tun, um Pflegepersonal und Ärzteschaft zu schützen. Das Problem hat sich seit Jahren zugespitzt und hat ein gravierendes Ausmass erreicht. Wir nehmen dies zum Anlass, in einer Artikelserie in mehreren Ausgaben der Schweizerischen Ärztezeitung zur Versorgungsmangellage Informationen zu vermitteln und Stellung zu beziehen.