Als die CVP am 10. März 2020 die Unterschriften für ihre Kostenbremse-Initiative einreichte, erlebte die Welt gerade den Auftakt einer Pandemie. In der Schweiz war fünf Tage zuvor die erste Person an COVID verstorben und niemand wusste, was die Bevölkerung und das Gesundheitswesen erwarten würde. Nur sechs Tage nach Einreichung der Initiative rief der Bundesrat die «ausserordentliche Lage» aus. Das öffentliche Leben kam zum Erliegen, die Schulen blieben leer. Ausgerechnet als wegen einer Virus-Erkrankung Läden, Restaurants, Dienstleistungsbetriebe und Freizeitangebote schliessen mussten, forderte die CVP-Initiative eine Kopplung der Gesundheitskosten an die Wirtschaftsentwicklung. Der zentrale Denkfehler der Kostenbremse-Initiative hätte kaum deutlicher illustriert werden können. Und trotzdem fand er keine Aufmerksamkeit: Wen interessiert der Text einer CVP-Initiative, wenn gerade Italien abgeriegelt wird, Infektionszahlen rasant steigen und die EU Milliardenausgaben für den Kampf gegen das Coronavirus ankündigt?