Im Jahr 1997 fuhren meine damalige Freundin und ich mit der Fähre von Zeebrugge (Belgien) nach Hull (England). Kurz zuvor hatte ich eine Ausbildungsstelle für Gastroenterologie am Western General Hospital in Edinburgh und meine General Medical Council-Registrierungsnummer erhalten. Da die Stelle unbezahlt war, buchten wir eine Kajüte «economic class, no shower» und bestellten ein günstiges Nachtessen ohne Dessert und den billigsten Rotwein. Kurz zuvor hatte ich noch gesagt: «Weisst du, wovor ich beim Reisen schon immer Angst hatte? »Sie: «Nein». Ich: «Dass aus dem Lautsprecher ‘Is there a doctor on board?’ ertönt.» Kaum hatten wir unsere Gabeln ins Essen gesteckt, erklang aus dem Lautsprecher eine freundliche Frauenstimme: «Is there a doctor on board? Please contact the captain.» Wir duckten uns und hofften inständig, dass sich ein anderer Doktor melden würde. Dem war aber nicht so und wenige Minuten später war da wieder diese Frauenstimme, nun deutlich bestimmter: «Is there any medical doctor on board? We urgently need a doctor. Please do contact the captain.» Kneifen war jetzt nicht mehr möglich, zumal ich ja bereits ein im britischen National Health System registrierter Arzt war.