Wie verlief Ihre medizinische Laufbahn bisher?
Ich habe mein Medizinstudium und meine Ausbildung zur Allgemeinärztin in Belgien absolviert. Im Oktober2017 bin ich mit meinem Partner und meiner damals neun Monate alten Tochter in die Schweiz gezogen. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits als praktizierende Ärztin anerkannt und wollte die FMH-Facharztprüfung fürAllgemeine Innere Medizin ablegen. Ich absolvierte meine Assistenzzeit von November 2017 bis Oktober2022. Das SIWF anerkannte lediglich ein einjähriges Praktikum im Ausland, meine Tätigkeit als Allgemeinärztin hingegen nicht. Ich musste alle Pflichtpraktika absolvieren, die MKSAP-Prüfung ablegen und eine Arbeit nachschreiben. Ich habe den Eindruck, dass es für ausländische Ärztinnen und Ärzte schwieriger ist, den Titel zu erhalten.
Was schätzen Sie am meisten am Schweizer Gesundheitswesen?
Das Schweizer Gesundheitssystem ist auf medizinischer Ebene und in Bezug auf die technische Ausstattung gut ausgebaut. Es hat kurze Wartezeiten, und die Interdisziplinarität ist hoch.
In welchen Bereichen könnte sich die Schweiz vom Ausland inspirieren lassen?
Verbesserungspotenzial sehe ich in der Prävention und im kostengünstigen Zugang zu medizinischen Leistungen. In der Schweiz trauen sich Patientinnen und Patienten allzu oft nicht, zum Arzt zu gehen, weil siedas mindestens 200 Franken kostet. Auf der anderen Seite führen die hohen Versicherungsprämien dazu, dass Patienten unnötige Vorsorgeuntersuchungen verlangen. In Belgien waren – als ich noch dort lebte – dieGrundversicherung und die private Krankenversicherung viel günstiger. Zudem gibt es ein System dermedizinischen Versorgungszentren, das der Ärztin oder dem Arzt eine Pauschale pro Patient und Monat bietet– wodurch die Konsultationen für die Patienten kostenlos sind. Ansonsten kostete damals die Konsultation beieinem Hausarzt 5 Euro nach Erstattung durch die Zusatzversicherung.
Wie verlief Ihre medizinische Laufbahn bisher?
Ich habe mein Medizinstudium in Aleppo, Syrien, abgeschlossen. Teile meines Studiums sowie wesentliche praktische Studienanteile absolvierte ich in Heidelberg und Cambridge. Nach der Anerkennung meines Medizinstudiums in Heidelberg begann ich meine Facharztausbildung in der Chirurgie an der Charité in Berlin. Anschliessend setzte ich meine Weiterbildung in Heidelberg fort, wo ich mich auf Chirurgie und Viszeralchirurgie spezialisierte und diese erfolgreich abschloss. Seit 2013 bin ich in der Schweiz tätig. Ich führe eigene Praxen in Zürich und in Cham und bin als Belegarzt in der Hirslanden-Gruppe in Zürich und in Cham tätig.
Was schätzen Sie am meisten am Schweizer Gesundheitssystem?
Besonders schätze ich, dass in der Schweiz alle Patientinnen und Patienten krankenversichert sind und somitgrundsätzlich Zugang zu medizinischer Versorgung haben – unabhängig vom Versicherungsmodell. Dieses Prinzip schafft eine solide Grundlage für eine gerechte und hochwertige medizinische Betreuung. Darüberhinaus beeindruckt mich das hohe medizinische Niveau: Moderne Infrastruktur, fortschrittliche Technologienund eine ausgeprägte fachliche Expertise ermöglichen eine qualitativ sehr hochwertige und sichere Patientenversorgung.
In welchen Bereichen könnte sich die Schweiz vom Ausland inspirieren lassen?
Ein möglicher Ansatz liegt darin, die klinischen Fähigkeiten unabhängig von technischer Unterstützung weiterhin bewusst zu pflegen. Moderne Technologien sind ein grosser Fortschritt, dennoch bleiben die sorgfältige klinische Untersuchung, das ärztliche Gespräch und die Erfahrung zentrale Elemente der Medizin.
Gerade in Situationen mit begrenzten Ressourcen zeigt sich, wie wichtig effiziente Entscheidungsfindung,pragmatisches Handeln und ein klarer klinischer Blick sind. Diese Kompetenzen können auch in einemhochentwickelten System wie in der Schweiz eine wertvolle Ergänzung darstellen.
Wie verlief Ihre medizinische Laufbahn bisher?
Ich absolvierte mein Medizinstudium sowie meine Facharztausbildung in Innerer Medizin und Pneumologie inSyrien. 2015, während des Bürgerkriegs, wanderte ich nach Deutschland aus und absolvierte dort die Weiterbildung in Pneumologie erneut sowie zusätzlich die Weiterbildung in Schlafmedizin. 2022 kam ich als Oberarzt Pneumologie ans Kantonsspital Baselland. In einem Nebenpensum arbeite ich als Facharzt für Pneumologie und Schlafmedizin in der Praxis PneumoSchlaf in Thun.
Was schätzen Sie am meisten am Schweizer Gesundheitssystem?
Das Schweizer Gesundheitssystem hat viele Vorteile. Die Qualität ist sehr gut – und wir können Patientinnen und Patienten vielfach auch in Studien einschliessen, was für den medizinischen Fortschritt wichtig ist. Es ist ein leistungsorientiertes, effizientes System, das trotzdem auf die Bedürfnisse der Patientinnen und Patientenausgerichtet bleibt. Zudem werden medizinische Leitlinien mit Augenmass umgesetzt und nicht derart starrangewendet wie zum Beispiel in Deutschland.
In welchen Bereichen könnte sich die Schweiz vom Ausland inspirieren lassen?
Verbessert werden sollte die Spitalplanung: Konkurrenz ist zwar wichtig, aber eine bessere Absprache würdeKosten sparen. Auch bei den Patientendossiers gibt es Luft nach oben: Werden Informationen nicht geteilt, führt das zu unnötigen Behandlungen. Auch Patientinnen und Patienten sollten mehr Verantwortung für ihre Krankheitsakte übernehmen. Von Ländern wie Syrien könnte sich die Schweiz beim Umgang mit dem Alter etwas abschauen: Die Medizin hat Grenzen, gerade die Altersmedizin hat nicht für jedes Problem eine Lösung.In der Schweiz geht das manchmal vergessen. In Mittelmeerländern ist die Familie stärker in die Alterspflege eingebunden – das könnte bei uns dazu beitragen, den Anstieg der Gesundheitskosten zu bremsen.