In «Calanda oder Alvas Antwort», dem Roman von Angelika Overath, werden wir auf den Aufstieg einer jungen Frau zu einem Berggipfel mitgenommen. Vielleicht ein letztes Mal?
In der Morgendämmerung verabschiedet sie sich vom Igel im Garten, nimmt das Fahrrad bis Haldenstein und beginnt den Aufstieg. Alva ist alleinerziehende Mutter zweier kleiner Kinder von zwei Männern, die einmal ein Paar waren. Mit Cla, dem Engadiner Lehrer, und Baran, dem griechisch-türkischen Lebenskünstler, ist ihr eine ungewöhnliche familiäre Dreiecksbeziehung gelungen. Auf ihrem Weg erinnert sie sich an zentrale Szenen ihres Lebens. Und spielt mit drei Wörtern, die jeweils mit den Buchstaben A, L und S beginnen. So werden wir langsam Zeugen einer Krise.
Alva hat vor Kurzem die Diagnose amyotrophe Lateralsklerose erhalten. Kann sie mit fortschreitender Krankheit eine gute Mutter bleiben? Wie viel Belastung verträgt die Liebe zu Baran und zu Cla? Wird sie vom Calanda zurückkehren oder einen Unfall zulassen? Sie erinnert sich an ihre Grossmutter, die Flucht und Vertreibung erlebte und deren Stärke Alva Kraft gibt. Sie erkennt, dass Schwäche anzunehmen, Stärke bedeuten kann. Unterhalb des Gipfels, auf einem Geröllfeld voller Enzian, überwältigt sie die Schönheit, die Kostbarkeit des Lebens. Sie beschliesst, mit der Krankheit weiterzuleben.
In klarer Sprache führt der Roman durch die Naturwelt des Calanda und in die Innenwelt von Alva. Im Kontext ALS zeigt er auf, wie sich Resilienz aus Begegnungen und Beziehungen speisen kann.
«Calanda oder Alvas Antwort» ist nach «Ein Winter in Istanbul» und «Unschärfen der Liebe» (nominiert für den Deutschen Buchpreis 2023) das Ende einer Trilogie.