Irgendwann war uns beiden klar, dass es keine Hoffnung mehr gab. Unser Ziel war, meiner Frau zu ermöglichen, dass sie bis zuletzt daheim bleiben durfte. Bei unserem letzten Arztbesuch, das war wohl im März, äusserte sie den Wunsch, noch einmal den Frühling mit seiner vielfältigen Blütenpracht erleben zu dürfen.
Der Arzt überlegte kurz und sagte dann spontan zu meiner Frau: «Dort vorn im Garten steht ein blühender Baum. Den werden wir jetzt miteinander anschauen gehen.» Die Distanz von etwa 20 Metern gingen beide langsam, Arm in Arm – meine Frau konnte bereits nicht mehr ohne Hilfe gehen – über den Rasen. Der Arzt bestellte bei den Arztgehilfinnen zwei Stühle, die vor dem Baum hingestellt wurden. Nun setzten sich beide, schwiegen, verharrten in Gedanken und bestaunten den blühenden Baum. Der Arzt stand auf, brach ein blühendes Ästchen vom Baum und überreichte es meiner Frau. Der kleine, aber unerhört wichtige und wertvolle Frühlingsbote stand später daheim auf unserem Stubentisch – bis er schliesslich verblüht und verwelkt war.
Fortan begleitete uns beide dieses kleine und zugleich riesengrosse Erlebnis in Gedanken bis zum Sterben meiner Frau. Wir erzählten es beide im Freundes- und Bekanntenkreis und erlebten jedes Mal Staunen, Ergriffenheit, emotionale Betroffenheit und oft sogar Tränen. Während der ganzen Zeit der Hoffnung, Angst und Trauer gehörte diese Geschichte, diese Begegnung von Arzt und Patientin zu den schönsten und gehaltvollsten Erlebnissen. Sie konnte zwar keine Wunder wirken, nicht heilen. Aber sie gab uns beiden ganz viel Kraft. Noch heute erzähle ich dieses wunderbare Erlebnis bei jedem Gespräch, bei dem wir uns an meine verstorbene Frau erinnern.
Wenn ein Arzt trotz Stress und überfülltem Warteraum ganz spontan in die Gefühlswelt einer todkranken Patientin eintauchen kann, sich die Zeit für verständnisvolles Mitfühlen nimmt, ist dies alles andere als selbstverständlich, ist das ganz viel mehr, als ein letztes Aufladen der Batterie und ein Trösten und erfüllt mich mit Hochachtung und grosser Dankbarkeit.
Der Arzt überlegte kurz und sagte dann spontan zu meiner Frau: «Dort vorn im Garten steht ein blühender Baum. Den werden wir jetzt miteinander anschauen gehen.» Die Distanz von etwa 20 Metern gingen beide langsam, Arm in Arm – meine Frau konnte bereits nicht mehr ohne Hilfe gehen – über den Rasen. Der Arzt bestellte bei den Arztgehilfinnen zwei Stühle, die vor dem Baum hingestellt wurden. Nun setzten sich beide, schwiegen, verharrten in Gedanken und bestaunten den blühenden Baum. Der Arzt stand auf, brach ein blühendes Ästchen vom Baum und überreichte es meiner Frau. Der kleine, aber unerhört wichtige und wertvolle Frühlingsbote stand später daheim auf unserem Stubentisch – bis er schliesslich verblüht und verwelkt war.
Fortan begleitete uns beide dieses kleine und zugleich riesengrosse Erlebnis in Gedanken bis zum Sterben meiner Frau. Wir erzählten es beide im Freundes- und Bekanntenkreis und erlebten jedes Mal Staunen, Ergriffenheit, emotionale Betroffenheit und oft sogar Tränen. Während der ganzen Zeit der Hoffnung, Angst und Trauer gehörte diese Geschichte, diese Begegnung von Arzt und Patientin zu den schönsten und gehaltvollsten Erlebnissen. Sie konnte zwar keine Wunder wirken, nicht heilen. Aber sie gab uns beiden ganz viel Kraft. Noch heute erzähle ich dieses wunderbare Erlebnis bei jedem Gespräch, bei dem wir uns an meine verstorbene Frau erinnern.
Wenn ein Arzt trotz Stress und überfülltem Warteraum ganz spontan in die Gefühlswelt einer todkranken Patientin eintauchen kann, sich die Zeit für verständnisvolles Mitfühlen nimmt, ist dies alles andere als selbstverständlich, ist das ganz viel mehr, als ein letztes Aufladen der Batterie und ein Trösten und erfüllt mich mit Hochachtung und grosser Dankbarkeit.