10.30 Uhr: Im Büro der Klinik für Traumatologie des Universitätsspitals Zürich (USZ) herrscht eine geschäftige Atmosphäre. Es wird Papierkram erledigt, Patientendossiers werden auf den neusten Stand gebracht. Eine junge Frau betritt den Raum und fragt ihre Kolleginnen und Kollegen höflich, aber bestimmt: «Darf ich euch kurz stören? Ich habe eine Frage zu diesem Patienten: Hat er bereits mit der Handrehabilitation begonnen?» Sofort wird von den Bildschirmen aufgeblickt, und die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: «Ja, er hat bereits mit der Therapie begonnen.» Eine auf den ersten Blick banale Szene. Und doch spielt sie sich nicht in einem gewöhnlichen Büro ab: Hier treffen sich Studierende der Medizin, Pflege, Physiotherapie und Ernährungsberatung, die unter der Aufsicht von «Facilitators» während mehrerer Wochen selbständig Patientinnen und Patienten betreuen und dabei lernen, interprofessionell zu arbeiten. Dieses Konzept hat einen Namen: die Zürcher interprofessionelle klinische Ausbildungsstation (ZIPAS). Das im Herbst 2019 gestartete Projekt basiert auf dem seit fast dreissig Jahren bewährten schwedischen Modell und richtet sich an Studierende aus den Gesundheitsbereichen, die sich in der Endphase ihrer Ausbildung befinden. Das Ziel: Barrieren zwischen den verschiedenen Gesundheitsberufen abbauen, die jeweiligen Aufgaben kennen- und verstehen lernen und vor allem einüben, wie man zusammenarbeitet und wie diese Zusammenarbeit verbessert werden kann. Kurzum: die Interprofessionalität im Alltag der Gesundheitsberufe verankern – und zwar bereits in der Ausbildung.