Die Rückkehr eines symmetrischen Krieges in Europa und die Verschlechterung des internationalen Sicherheitsumfelds führen dazu, dass die Schweiz ihre Armee wieder stärker auf die Verteidigung ausrichtet [1]. Innerhalb dieses Rahmens stellt die Patrouille des Glaciers eine militärische Operation dar, deren Ziel die Ausbildung der Truppen und die Erprobung des Materials im Hochgebirge ist [2–5]. Aufgrund ihres Umfangs sind ein bedeutender Sanitätsdienst und eine spezifische Vorbereitung notwendig (Abb. 1).
Medizinischer Posten Tête Blanche 2024. Schwierige Wetterbedingungen auf 3600 m Höhe mit Windchill von −37 °C und Windgeschwindigkeiten bis 100 km/h.
Foto: Hptm. Charly Perritaz

Herausforderungen des Sanitätsdienstes PdG

Personal
Die Vorbereitung der Militärärztinnen und Militärärzte (Mil Az) auf einen Einsatz bleibt komplex. Es dominieren zwei Modelle [6]: die «professionellen» Mil Az, bei denen die Ausbildung bereits an der Universität in einem integrierten zivil-militärischen Studiengang und die Tätigkeit anschliessend ausschliesslich in militärischen Strukturen erfolgt, und die «Miliz»-Mil Az, bei denen die Ausbildung zunächst zivil erfolgt und durch spezifische militärische Instruktionen ergänzt wird. In der Schweiz überwiegt letzteres Modell [7] und erfordert: erstens periodische Auffrischungen, den sogenannten Fortbildungsdienst der Truppe (FDT), früher Wiederholungskurse genannt; und zweitens eine Vorbereitung vor jedem Einsatz, die einsatzbezogene Ausbildung für das professionelle Sanitätspersonal (EBA pro san).
Bezogen auf die PdG heisst das, sich an die Bedingungen des Hochgebirges anzupassen (Höhe, instabiles Wetter, Kälte, schwieriger Zugang und Evakuierung) und gezielte Fähigkeiten zu beherrschen (Sporttraumatologie, Höhenkrankheiten, Kälte- und Bergmedizin, Versorgung mehrerer Verletzter). Die grössten Herausforderungen bestehen darin, die Kompetenzen von Spezialisten aus unterschiedlichen Fachrichtungen zu harmonisieren und diejenigen gut zu begleiten, die sich noch in der Spezialisierung befinden. Dies bedingt eine gute Verteilung des verfügbaren Personals.
Umwelt
Die PdG ist von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen: Im Jahr 2022 fehlte auf mehr als einem Viertel der Strecke Schnee, was 2024 die Vorverlegung um zwei Wochen notwendig machte. Seit 2018 wird eine medizinische statistische Erfassung durchgeführt, bislang ohne klare Tendenz. Am häufigsten treten weiterhin Kälte- und Höhenkrankheiten auf, danach folgen Traumata, sowohl bei den Läuferinnen und Läufern als auch beim Personal, das mehrere Wochen in den Bergen im Einsatz ist.
Material und Doktrin
Als strategische Reserve des Bundes ist die Armee vor allem für Einsätze im urbanen Umfeld konzipiert. Ihr Sanitätsdienst ist auf die prähospitaliäre Massenversorgung ausgerichtet, während die Krankenhausversorgung hauptsächlich vom zivilen System übernommen und bei Bedarf durch militärische Einheiten unterstützt wird. Solange kein Aktivdienst erklärt wird, unterliegen alle sanitätsdienstlichen Einrichtungen und medizinischen Massnahmen den zivilrechtlichen Bestimmungen des Bundes und der Kantone. Die PdG, eine Friedensoperation im Hochgebirge mit überwiegend zivilen Teilnehmenden, erfordert eine Anpassung von Material und Verfahren an die Normen der zivilen Behörden, insbesondere an diejenigen der Kantonalen Walliser Rettungsorganisation (KWRO). Diese Gegebenheiten erfordern daher eine Angleichung der Kenntnisse sowie eine gezielte Ausbildung, die den medizinischen, technischen und rechtlichen Anforderungen während des PdG-Einsatzes Rechnung trägt.

Einsatzbezogene Ausbildung des Sanitätspersonals

Für die zweitägige Instruktion auf 2300 m Höhe kamen etwa 40 Mil Az zusammen, darunter ein Drittel Fachärztinnen und Fachärzte, überwiegend tätig in der Anästhesie, aber auch in der Medizin und in der Chirurgie. Das Programm rotierte zwischen interaktiven Kursen, praktischen Übungen und einer nächtlichen Katastrophenübung.
Das Instruktionsteam bestand aus leitenden Notärzten (LNA), Bergrettern, Gebirgsspezialisten und Postenchefs im Hochgebirge. Behandelte Themen waren Bergmedizin und -traumatologie, Höhen- und Sportmedizin, Hypothermie, Katastrophenmedizin, Risikomanagement und der menschliche Faktor. Der technische Teil umfasste Lawinensuche, Einsatz von Rettungsgeräten, Leitung von Grossereignissen und Prätriage im alpinen Umfeld.
In einer nächtlichen Übung wurde die Situation einer verschütteten Gruppe von 15 Patrouilleuren zwischen zwei medizinischen Posten simuliert. In Kleingruppen planten und führten die Mil Az zusammen mit Gebirgsspezialisten eine koordinierte Rettung am Boden durch, mitsamt Lagebeurteilung, Sektoraufteilung, Suche und Bergung, Abstimmung mit der Sanitätszentrale, Prätriage und individueller Patientenversorgung. Die Übung bei –15 °C in der Nacht diente der Überprüfung individueller und kollektiver Kompetenzen [8–10] (Abb. 2).
Die EBA pro san ist Teil der Vorbereitung der Mil Az und wird von fünf medizinischen Fachgesellschaften anerkannt, inklusive der Vergabe von Fortbildungspunkten.

Die grössten Herausforderungen bestehen darin, die Kompetenzen von Spezialisten aus unterschiedlichen Fachrichtungen zu harmonisieren und diejenigen gut zu begleiten, die sich noch in der Spezialisierung befinden.

Zusammenfassung

Seit ihrer Einführung im Jahr 2022 ermöglicht die EBA pro san, die Vorbereitung der Mil Az in kurzer Zeit effektiv auf die spezifischen Bedingungen und Anforderungen der Patrouille des Glaciers vorzubereiten.
  1. Schweizer Armee. Zielbild und Strategie für die Armee der Zukunft. Bern: Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS). 2022
  2. Kohlprath R. Le service sanitaire de la Patrouille des Glaciers 2022. BMS. 2021; 102(35): 1123–1126
  3. Jaun R. Histoire de l’Armée Suisse: du XVIIe siècle à nos jours. Livreo-Alphil. 2023
  4. Guisan H. Rapport du général Guisan à l’Assemblée fédérale sur le service actif 1939–1945. Verlag der Schweizerischen Bundesbehörden. 1945
  5. Toeppel R. Kursk 1943: The Greatest Battle of the Second World War. Droemer Knaur. 2013
  6. Leone R, et al. Framework for the evaluation of military health systems. BMJ Mil Health. 2023; 169(3): 280–284
  7. Schweizer Armee. Règlement de Service de l’Armée (RSA). Schweizerischer Bundesverlag. 2020
  8. Schweizer Armee. Sanitätsdienstliche Führung Grossereignis für den prähospitalen Bereich. Schweizerischer Bundesverlag. 2022
  9. Lott C, et al. European Resuscitation Council Guidelines 2025: Special Circumstances in Resuscitation. Resuscitation. 2025
  10. Cools E, et al. ELSO 2025 Narrative Guideline on the Use of ECMO for Accidental Hypothermia. ASAIO J. 2025; 71(11): 865–874

Foto: Maj. Harley Anderegg