Herausforderungen des Sanitätsdienstes PdG
Die Vorbereitung der Militärärztinnen und Militärärzte (Mil Az) auf einen Einsatz bleibt komplex. Es dominieren zwei Modelle [6]: die «professionellen» Mil Az, bei denen die Ausbildung bereits an der Universität in einem integrierten zivil-militärischen Studiengang und die Tätigkeit anschliessend ausschliesslich in militärischen Strukturen erfolgt, und die «Miliz»-Mil Az, bei denen die Ausbildung zunächst zivil erfolgt und durch spezifische militärische Instruktionen ergänzt wird. In der Schweiz überwiegt letzteres Modell [7] und erfordert: erstens periodische Auffrischungen, den sogenannten Fortbildungsdienst der Truppe (FDT), früher Wiederholungskurse genannt; und zweitens eine Vorbereitung vor jedem Einsatz, die einsatzbezogene Ausbildung für das professionelle Sanitätspersonal (EBA pro san).
Die PdG ist von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen: Im Jahr 2022 fehlte auf mehr als einem Viertel der Strecke Schnee, was 2024 die Vorverlegung um zwei Wochen notwendig machte. Seit 2018 wird eine medizinische statistische Erfassung durchgeführt, bislang ohne klare Tendenz. Am häufigsten treten weiterhin Kälte- und Höhenkrankheiten auf, danach folgen Traumata, sowohl bei den Läuferinnen und Läufern als auch beim Personal, das mehrere Wochen in den Bergen im Einsatz ist.
Als strategische Reserve des Bundes ist die Armee vor allem für Einsätze im urbanen Umfeld konzipiert. Ihr Sanitätsdienst ist auf die prähospitaliäre Massenversorgung ausgerichtet, während die Krankenhausversorgung hauptsächlich vom zivilen System übernommen und bei Bedarf durch militärische Einheiten unterstützt wird. Solange kein Aktivdienst erklärt wird, unterliegen alle sanitätsdienstlichen Einrichtungen und medizinischen Massnahmen den zivilrechtlichen Bestimmungen des Bundes und der Kantone. Die PdG, eine Friedensoperation im Hochgebirge mit überwiegend zivilen Teilnehmenden, erfordert eine Anpassung von Material und Verfahren an die Normen der zivilen Behörden, insbesondere an diejenigen der Kantonalen Walliser Rettungsorganisation (KWRO). Diese Gegebenheiten erfordern daher eine Angleichung der Kenntnisse sowie eine gezielte Ausbildung, die den medizinischen, technischen und rechtlichen Anforderungen während des PdG-Einsatzes Rechnung trägt.
Einsatzbezogene Ausbildung des Sanitätspersonals
Die grössten Herausforderungen bestehen darin, die Kompetenzen von Spezialisten aus unterschiedlichen Fachrichtungen zu harmonisieren und diejenigen gut zu begleiten, die sich noch in der Spezialisierung befinden.
Zusammenfassung
- Schweizer Armee. Zielbild und Strategie für die Armee der Zukunft. Bern: Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS). 2022
- Kohlprath R. Le service sanitaire de la Patrouille des Glaciers 2022. BMS. 2021; 102(35): 1123–1126
- Jaun R. Histoire de l’Armée Suisse: du XVIIe siècle à nos jours. Livreo-Alphil. 2023
- Guisan H. Rapport du général Guisan à l’Assemblée fédérale sur le service actif 1939–1945. Verlag der Schweizerischen Bundesbehörden. 1945
- Toeppel R. Kursk 1943: The Greatest Battle of the Second World War. Droemer Knaur. 2013
- Leone R, et al. Framework for the evaluation of military health systems. BMJ Mil Health. 2023; 169(3): 280–284
- Schweizer Armee. Règlement de Service de l’Armée (RSA). Schweizerischer Bundesverlag. 2020
- Schweizer Armee. Sanitätsdienstliche Führung Grossereignis für den prähospitalen Bereich. Schweizerischer Bundesverlag. 2022
- Lott C, et al. European Resuscitation Council Guidelines 2025: Special Circumstances in Resuscitation. Resuscitation. 2025
- Cools E, et al. ELSO 2025 Narrative Guideline on the Use of ECMO for Accidental Hypothermia. ASAIO J. 2025; 71(11): 865–874
Foto: Maj. Harley Anderegg