Wie verwenden Sie KI-Tools in Ihrem Alltag?
Ich nutze vor allem OpenEvidence. Dieses KI-Tool bündelt Informationen aus wissenschaftlichen Publikationen und medizinischen Guidelines. Wenn ich bei einer Behandlung eine konkrete Frage habe, erhalte ich damit rasch einen Überblick, ohne einzelne Studien suchen zu müssen. Das entlastet mich. Wichtig ist es, die Ergebnisse stets kritisch zu hinterfragen. Den persönlichen Kontakt und das Vertrauen zwischen Arzt und Patient kann KI nicht ersetzen.
Was sind Ihre Erwartungen an die KI?
Am wichtigsten wäre für mich ein funktionierendes, schweizweit einheitliches elektronisches Patientendossier. Heute habe ich als Hausarzt keinen direkten Zugriff auf alle Arzt- und Spitalberichte, die ausserhalb unserer Praxis generiert wurden. So muss ich alle Informationen aufwendig anfordern. Andere Länder sind hier deutlich weiter. Erst wenn eine solche gemeinsame digitale Grundlage besteht, sollte man darauf KI-Anwendungen aufbauen – etwa um Berichte zusammenzufassen, Rezepte zu erstellen oder Gespräche zu dokumentieren. Selbstverständlich müssen die Patientendaten dabei innerhalb eines sicheren Systems bleiben.
Was sind Ihre Befürchtungen?
Ich befürchte, dass sehr viel Geld in KI-Anwendungen fliesst, während gleichzeitig bei Ärztinnen, Ärzten und Pflegefachpersonen gespart wird. Zudem entwickeln Kliniken oder Abteilungen teilweise eigene Systeme, statt gemeinsam nutzbare Lösungen zu schaffen. KI bietet zwar Potenzial, ist für mich aber nicht die dringendste Priorität. Vorrang haben aus meiner Sicht eine funktionierende digitale Infrastruktur, eine bessere Grundversorgung und die Ausbildung zusätzlicher Fachkräfte.
Wie verwenden Sie KI-Tools in Ihrem Alltag?
Ich nutze Diktierprogramme, um Berichte zu erstellen. Allerdings habe ich das passende noch nicht gefunden: unter anderem, weil ich Wert darauf lege, dass meine Berichte aufs Minimum reduziert sind, KI-Tools aber den Hang zum Ausformulieren haben. Sehr nützlich hingegen finde ich OpenEvidence. Mit dieser App spare ich viel Recherchezeit, wenn ich Informationen zu Erkrankungen, Operationstechniken oder Medikamentennebenwirkungen suche. Früher musste ich dafür mühsam Publikationen auf der Datenbank PubMed durchforsten.
Was sind Ihre Erwartungen an die KI?
KI-Tools, die uns Schreibarbeiten oder Organisatorisches abnehmen, sind die Zukunft. Ich kann mir gut vorstellen, dass KI dereinst Mails beantworten oder Termine mit Patientinnen und Patienten vereinbaren kann. Auch virtuelle Telefonassistenten wären eine enorme Erleichterung: Meine Assistentin nimmt heute einen Telefonanruf nach dem anderen entgegen. Ich würde sie sehr gerne für anspruchsvollere Arbeiten einsetzen. Allerdings sind weder die Patientinnen und Patienten noch wir als Klinik so weit, dass wir mit solchen Tools umgehen könnten.
Was sind Ihre Befürchtungen?
Wir dürfen keine Angst haben vor der künstlichen Intelligenz und müssen lernen, sie zu nutzen. Aber gleichzeitig ist es wichtig, dass wir die Zügel nicht aus der Hand geben. Setzen wir KI unkritisch ein, könnte sich die Gesundheitsversorgung verschlechtern. Denn nur mit Fachwissen ist es in der Medizin nicht getan: Ich brauche auch Empathie und muss auf jede Patientin und jeden Patienten individuell eingehen können. Dazu werden KI-Tools in absehbarer Zukunft nicht in der Lage sein.
Wie verwenden Sie KI-Tools in Ihrem Alltag?
Als Assistenzarzt in der Hausarztpraxis nutzte ich das von uns entwickelte Programm, um Patientengespräche zusammenzufassen und die Dokumentationsqualität zu verbessern. Für mich war es wichtig, die wichtigsten Informationen stets im Blick zu haben, wenn ich mit der Krankengeschichte weiterarbeite. In unserem Unternehmen sind wir konsequent «AI first»-organisiert: KI erstellt Briefings, Entwürfe und Anleitungen aus Gesprächstranskripten. Dadurch gestalten wir die Zusammenarbeit innerhalb des Teams und auch mit unseren externen Partnern effizienter und zielgerichteter.
Was sind Ihre Erwartungen an die KI?
KI wird in Zukunft nicht nur Gespräche transkribieren und Texte formulieren, sondern immer mehr repetitive administrative Aufgaben möglichst selbstständig ausführen. Ziel ist es, dass KI künftig auch Arbeitsschritte wie Überweisungen oder Laborbestellungen vorbereitet – direkt im bestehenden Praxis- oder Klinikinformationssystem. Das verbessert die Dokumentation und die Datengrundlagen. So können sich die Ärztinnen und Ärzte stärker auf ihre Patientinnen und Patienten sowie auf medizinische Entscheidungen konzentrieren. Sie werden quasi von den «Wetterleuten», die vor allem Werte sammeln und festhalten, zu «Meteorologen», die das Gesamtbild analysieren und bessere Voraussagen treffen.
Was sind Ihre Befürchtungen?
Viele meiner Kolleginnen und Kollegen arbeiten als Ärztinnen und Ärzte. In Gesprächen merke ich immer wieder: Fast alle sind mit dem heutigen Zustand unzufrieden und wünschen sich Verbesserungen. Sobald sich dafür jedoch Arbeitsabläufe verändern sollen, überwiegt der Wunsch, am Gewohnten festzuhalten. Ich befürchte deshalb, dass starre Strukturen und Widerstände sinnvolle Fortschritte bremsen. Setzen wir aus Angst zu früh Grenzen, sammeln wir aber zu wenig Erfahrungen, um fundiert beurteilen zu können, wo KI nützt und wo sie nicht eingesetzt werden sollte.